Halloween 2019: Kapitel 1 – Die Ruine aus Stein und ein Schloss aus Magie

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Sterne blitzten am Himmel auf, nur zu erkennen, da sich der Vollmond noch hinter den hohen Gipfeln benachbarter Berge versteckte. Wie silberne Sprengsel fremder Magie verteilten sie sich über die samtene Schwärze der Nacht und brachten Elnas Fantasie zum Träumen, bis der ferne Schrei einer Eule die Sternenschlösser zerstieben ließ und an die wirkliche Festungsruine im Hier und Jetzt erinnerte – verborgen in suppendicker Finsternis.

Elna kniff die Augen zusammen, um in der Dunkelheit der Nacht besser sehen zu können, und starrte verbissen zu dem alten Gemäuer hinüber. In dieser Nacht sollte etwas geschehen. Dieser verrückte Asura und Nebelforscher hatte etwas davon erzählt, wie dünn und zerbrechlich die Membran zwischen den Welten inzwischen war, zwischen den Nebeln und ihrer Welt – und vielleicht auch zwischen ungezählten anderen Welten, deren Bewohner sich heute Nacht ebenfalls nach Tyria verirren mochten.

„Meinst Du, Lexxiz hat recht?“, fragte Elna in die Stille hinein und erhielt Antwort von dem tiefen Atemzug ihrer raubtierhaften Gefährtin.

„Auf jeden Fall damit, dass die Grenze jedes Jahr ein bisschen mehr verschwimmt“, grollte Syrin und das matte Sternenlicht reichte aus, damit ihre topasgrünen Augen schwach aufblitzen, wie die einer gewöhnlichen Hauskatze es tun würden.

„Und wir werden herausfinden, warum“, hoffte Elna und spürte einen wohligen Schauer über ihren Rücken laufen. Was auch immer sie heute Nacht erwarten mochte, Syrins Klauen und Fänge waren jedenfalls ein sehr guter Grund, sich selbst zur Geisterstunde sicher zu fühlen.

„Vielleicht. Aber auf jeden Fall werde ich herausfinden, ob sich hinter dem Weltenschleier etwas verbirgt, das mir meine Ehre zurückgeben kann.“

Das hier war wichtig für die Charr. Gänzlich hatte Elna es nicht verstanden, nur so viel, dass Syrin als einzige Überlebende ihres Trupps für den Rest ihres Lebens eine Geächtete wäre, falls sie es nicht schaffte, in einen anderen Trupp aufgenommen zu werden. Sie brauchte eine Heldentat, irgendetwas, das bewies, dass sie kein Feigling war und dass man sich auf sie verlassen konnte.

Etwas raschelte, ein leises Säuseln kam aus Richtung der Ruine und ließ Elnas Herz schneller schlagen. „Erkennst Du was?“, fragte sie und wünschte sich einmal mehr, im Dunkel ebenso gut sehen zu können wie Syrin.

„Da passiert noch nichts“, grollte die Charr und ihre riesige Pranke legte sich sachte auf Elnas Schulter. „Der Wind heult zwischen den Mauern und verspottet mich.“ Ein nervös zuckender Puschelschwanz traf Elna im Rücken und ließ sie einen Schritt vortaumeln.

„‘tschuldigung.“

„Schon gut.“ Seit Elna Syrin vor ein paar Monden kennengelernt hatte, war die Charr so: ein nervöses Raubtier, immer angespannt, immer kampfbereit, immer mit einem getriebenen Ausdruck in den Augen. Dieser Blick erzählte davon, wie Syrin sich neue Verbündete unter den Menschen suchen musste, da ihre eigenen Leute sie verachteten und vertrieben hatten. Unter den Menschen sah es für Syrin indes nicht besser aus – die Felder der Verwüstung trugen ihren Namen nicht ohne Grund und die Menschen dort hassten die Charr. Alle bis auf Elna. Doch im Dorf sagte ihr ohnehin jeder nach, dass sie sonderlich sei – und das war noch eine der nettesten Umschreibungen.

„Da!“, schnappte Syrins tiefe Stimme und in diesem Moment klang sie so, als ob die große Tempeltür ins Schloss fallen würde. Elna schaute zur Ruine und staunte. Mit offenem Mund blickte sie den sternensilbernen Nebel an, der – aus dem Nirgendwo kommend – in die alte Festungsruine hineinfloss, als füllte er eine unsichtbare Form aus, und so ein kleines Schloss in die Nacht hinein baute. Es war ganz anders als alles, was diese alten Mauern jemals in alter Zeit an Gebäuden getragen hatten.

Augenscheinlich hatte Lexxiz recht gehabt mit all seinen Formeln und Gerätschaften. Furcht ließ Elnas Herz klopfen, doch ebenso staunte sie die perlgraue Erhabenheit des Lichtnebels an, der sich allmählich weiter verdichtete und dabei langsam seinen Lichtschimmer verlor. Die Festung lag in den Schatten, bis sich die sich versteinernde Fassade schließlich matt im Vollmondschein vom Berg dahinter abhob, als das Himmelsgestirn seinen Weg hinter den tannengesäumten Gipfeln hervor fand.

Rätselfrage

Das Halloween-Event „Der Schatten des Verrückten Königs“ …

Der Zeitraum für diese Aufgabe ist abgelaufen.