Halloween 2019: Kapitel 6 – Die Hilfe eines Wanderers und ein unvollständiger Erfolg

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Wie lange waren sie schon hier? Ohne jedes Zeitgefühl, umgeben von etwas, das wie Löwenstein aussah, nur dass die Stadt in dichte Nebel gehüllt da lag. Ein stummes Zeugnis dessen, was woanders möglicherweise mit Leben gefüllt war. In der Windstille dieser fremden Existenz bewegten sich einzig und allein die Nebelschwaden, hüllten alles in eine seltsam flüsternde Stille und durchdrangen diese gesamte fremde Welt.

„Ich bin so froh, dass Du hier bist“, flüsterte Elna und griff einmal mehr nach Syrins gewaltiger Pranke. Die Charr ließ es kommentarlos geschehen und einzig ihr gestäubter Schweif zeigte, wie angespannt sie war.

„Wir sollten nicht hier sein. Das hier sieht aus wie Löwenstein, aber mit Tyria hat das hier nichts zu tun.“

Elna nickte, ließ ihren Blick durch die Gasse gleiten, in der sogar Handwerker ihre Waren auszustellen schienen. Nur, dass hier absolut keine Seele außer ihnen war. Umso mehr ließ plötzliches Klirren von Glas und ein derber Fluch Elna zusammenzucken. Auch Syrin machte einen Satz in die Luft und fauchte.

„Bei allen Welten, welcher Idiot stellt denn große zerbrechliche Gegenstände so eng beieinander, dass hier nicht mal ein Rattenarsch durchkommt?!“

Ein weiteres Scheppern. Syrins Kopf zuckte nach rechts zu dem Requisit einer verlassenen Glasmacherwerkstatt.

„Da ist jemand“, flüsterte Elna und starrte in die dunkle Ladenöffnung.

„Und dieser Jemand fühlt sich sicher genug, um hier wild rumzubrüllen“, raunte Syrin und für eine Charr war sie dabei erstaunlich leise. Was Syrin dem Fremden nachsagte, galt ganz offensichtlich nicht für sie. Dabei war sie eine Charr!

„Und nun?“

„… werde ich etwas Dummes tun.“ Syrin fletschte ihre Zähne und starrte durch die dahintreibenden Nebelschwaden zu der Ladentür. „Wer ist da?!“, rief sie laut und kratzte drohend mit ihren Fußklauen über das steinerne Pflaster der Gasse.

Für einen Moment rührte sich gar nichts, dann klirrte wieder etwas und in der Ladentür erschien jemand. „Es gibt intelligente Lebewesen? Hier?!“ Verblüffung und Unglaube lagen in der Stimme. Eine seltsame Gestalt trat auf die Straße mit einem Kreuz beinahe wie ein Norn, wobei die Gestalt jedoch nicht ansatzweise so groß war. „Ha! Beim Weltenbann! Na so was, wie kommt Ihr denn hierher?“

Elna starrte den Fremden an. So etwas wie ihn hatte sie noch nie gesehen, geschweige denn davon gehört. Schlohweißes Haar hing offen über die Schulter dieses Mannes und rahmte ein langes, Pferdeartiges Gesicht ein, das ganz klar weder einem Menschen noch einem Sylvari gehörte.

„Durch ein Asuraportal“, knurrte Syrin und taxierte den Fremden. Jetzt, wo er vor ihnen stand, schien die Charr sich etwas zu entspannen. Vermutlich, weil dieser seltsame Fremde nicht besonders bedrohlich wirkte. „Was ist ein Asuraportal? Naja, auch egal. Ich hoffe nur, dass es Euch auch zurückbringen kann.“

Elna nickte. „Wer und was seid Ihr?“

Das Wesen winkte ab. „Namen! Wen interessieren schon Namen? Du kannst mich als ‚Weltengänger‘ bezeichnen, wenn Dir das hilft – so von Welt zu Welt. Und manchmal auch in so was hier.“ Der Fremde machte eine Geste, die das gesamte, nebelverhüllte Löwenstein umfasste. „Eine Welt zwischen den Welten. Erstaunlich, oder? Und für diejenigen, die die Zugänge kennen, so etwas wie eine nervige Zwischenstation auf ihren Reisen. Wobei, das hier …“ Der Fremde machte eine nachdenkliche Pause und musterte die Glasmacherwerkstatt, aus der er gerade eben getreten war. „Das hier ist schon recht nah an einer Realität dran. Das, was sich dahinter verbirgt, ist nicht weit weg. Ich vermute mal, Ihr beiden kommt von dort?“

Elna nickte und Syrin schnaufte. „Das hier sind die Nebel. Es gibt ein paar Asura, die die Nebel erforschen und dorthin gelangen können.“

Das Wesen nickte. „Meinetwegen. Ist ja auch nicht schwer. Zumindest nicht von Eurer Seite aus – Ihr seid ja sozusagen fast da – oder hier – oder wie auch immer. Von anderen Welten aus ist etwas mehr Aufwand nötig. Beispielsweise Spiegelmagie – interessanter Kram, kann man eine Menge mit machen. Warum seid Ihr hier? Bin mir sicher, in Eurer Welt ist dieser Ort um einiges spannender. Hier ist doch nichts.“

Elna sah zu Syrin auf. Einen Moment lang sahen die beiden sich an, bis schließlich Syrins Ohren zuckten. „Wir suchen etwas.“

Das Wesen lachte. „Toll! Ihr habt etwas gefunden – mich! Oder jemanden, wenn ich mich nicht als Objekt sehen mag – was ich nicht tue.“

„Wir brauchen die Essenz der Nebel“, meinte Elna schließlich. Was sollte es, wenn dieser komische Fremde das wusste? Sie hatten ja nicht einmal eine Ahnung, wo sie nach dieser Essenz suchen sollten!

Sofort änderte sich das leichtfertige Gebaren des Fremden. „Die Essenz dieser Zwischenwelt, ja? Bei aller Magie, die die Welten erschaffen hat, was wollt Ihr damit? Es gibt eine Menge Unheil, das man damit anrichten kann.“

„Willst Du uns daran hindern?“, knurrte Syrin herausfordernd, doch der Fremde lachte nur.

„Drohst Du mir, Mietzekatze? Lass es, denn diesen Kampf verlierst Du! Ich will wissen, was Ihr damit wollt. Und übrigens muss ich nicht drohen. Ohne machtvolle Magie kann man die Essenz einer Welt nicht einfangen und über die verfügt Ihr beiden nicht.“

Elna sah einen Moment zu Boden. Der Fremde hatte vermutlich recht. Sie hatten keine Ahnung, wie sie an diese Essenz kommen sollten. „Habt Ihr Zeit, Weltengänger? Wir erzählen es Euch.“


Langes Schweigen war die einzige Reaktion des Fremden, als Elna und Syrin ihre Geschichte beendet hatten, bis er schließlich vom Boden aufstand und sich gegen das schlichte Lederarmband an seinem Handgelenk tippte. Auf einmal lag ein langer, elfenbeinarbener Stab in seiner Hand, an dessen oberen Ende eine geschnitzte Eule auf einer Bergkristallkugel hockte. Der Fremde murmelte etwas und zu Elnas großer Verwunderung raschelte die Eule mit den Flügeln. Mitten in der Luft schienen sich auf einmal erneut die Nebelschwaden zu verdichten und ein feiner Faden perlweißen Nebels floss aus der Luft in die Hand des Fremden hinein. Seltsame Runen begannen auf dem Schaft des Stabes zu leuchten, bevor sie ebenso plötzlich wieder verblassten. In der Hand des Fremden lag eine Art Klumpen aus trübem Licht, geformt aus den Nebeln und in seiner Form ebenso unbeständig.

„Da habt Ihr Eure Essenz der Nebel. Kehrt heim und verbannt Eure Bekloppten ein weiteres Mal. Es wird nur nicht ganz so toll funktionieren, wie Ihr euch das vielleicht vorstellt. Der Hof gehört zu Eurer Welt und nichts kann verhindern, dass er wiederkehrt.“ Der Fremde lächelte verkniffen. „Allerdings bin ich kein Dilettant, deswegen gibt es nun auch etwas, das den Hof immer wieder hierher zurückziehen wird. Verratet mir bei unserem nächsten Treffen, wie es funktioniert hat.“

Elna schwieg betroffen. Also hatten sie es doch nicht … Syrins leises Grollen unterbrach die Gedanken. „Warum helft Ihr uns, Fremder?“

Ein Lächeln. „Es gibt genug Welten, die von Irren beherrscht werden. Wenn es für mich nur eine Kleinigkeit ist, zu verhindern, dass es eine mehr wird, dann kann ich das wohl tun, hm? Lebt wohl.“

Damit drehte er sich um und ging in die Nebelschwaden hinein.

„Meinst Du, das wird funktionieren?“, fragte Elna und tatsächlich lächelte Syrin zum ersten Mal, seitdem sie die Charr kannte. „Die Instinkte einer Kriegerin haben keinen Grund anzunehmen, dass er uns belogen hätte. Lass und zurückkehren. Lexxiz wartet.“

Rätselfrage

Das Halloween-Event „Der Schatten des Verrückten Königs“ beschreibt die Geschichte von König Oswald Thorn, …

Der Zeitraum für diese Aufgabe ist abgelaufen.